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Gepostet on Okt 29, 2012 in Kommunikation | Keine Kommentare

Lexika: Die Zukunft ist interaktiv

Lexika: Die Zukunft ist interaktiv

 

Es ist ein Experiment: Mit der App zum "Wörterbuch des Buches", dem Standardnachschlagewerk für das Druck- und Verlagswesen, will man "die neuen technischen Möglichkeiten nutzen", sagt Herausgeber Stephan Füssel, Sprecher des Forschungsschwerpunkts Medienkonvergenz der Universität Mainz. An der Hochschule der Medien (HdM) wurde die App entwickelt.

Nachschlagewerke und Lexika sterben – zumindest in gedruckter Form. Doch sie werden noch gebraucht. Eines von ihnen ist das "Wörterbuch des Buches", das 2006 in siebter Auflage erschien. "Um Aktualität zu gewährleisten, hat man damals bereits eine Online-Version entwickelt", sagt Füssel. "Nun geht man den nächsten Schritt." Das ist die App.

 Anregung in Mainz, Umsetzung in Stuttgart

 An der HdM wird das "Wörterbuch des Buches" zum Beispiel von Dozenten und Studenten des Studiengangs Druck- und Medientechnologie genutzt, um sich auf Vorlesungen vorzubereiten oder um Begriffe nachzuschlagen. Das geht mit der App bald auch auf dem iPad und dazu noch interaktiv.

 Die Anregung zur App gab es bereits 2011. "Zunächst haben wir in Stuttgart und Mainz Befragungen durchgeführt, welche Features für eine mobile Plattform notwendig sind", berichtet Füssel, Leiter der Buchwissenschaft der Universität Mainz. Die Umsetzung erfolgte an der HdM. Im Sommersemester 2012 boten Ansgar Gerlicher, Professor im Studiengang Mobile Medien, und Marko Hedler, Professor im Studiengang Druck- und Medientechnologie, das interdisziplinäre Projekt an.

 Studiengänge arbeiten zusammen

 Die Aufgabe war dabei von vornherein klar: eine App zu entwickeln mit den Features Lesezeichen, Hyperlinks, Zoomfunktion und Textmarkierung. Insgesamt elf Studenten aus den Studiengängen Medieninformatik, Mobile Medien, Print & Publishing sowie Computer Science and Media arbeiteten an der Umsetzung. Sie waren in die Teams Management, Content, Backend, Frontend und User-Interface-Design eingeteilt.

 Das Content-Team lieferte die Daten an die Backend-Gruppe, die das Ganze programmierte. Das Backend und das Frontend tauschten sich zur Technik aus, also den Features, die eingebaut wurden. Ein enger Kontakt von Frontend- und Design-Team war ebenfalls notwendig, da sich die Designwünsche häufig änderten. "Die Zusammenarbeit hat super funktioniert", sagt der 22-jährige Julian Armbruster vom Backend-Team, der im siebten Semester Mobile Medien studiert. Besonders gefallen haben ihm "das lockere, aber zielstrebige Arbeitsklima und die Einarbeitung in noch unbekannte Technologien".

 Erlerntes auch privat nutzen

 "Das Besondere an der App ist die neue interaktive Navigation über die semantischen Verbindungen der Begriffe", erklärt HdM-Professor Ansgar Gerlicher. "Dadurch erlebt der Leser einen völlig anderen Zugang zu den lexikalischen Inhalten, der die Neugier und den Forschergeist im Leser weckt", so der Betreuer weiter. Auch der 23-jährige Konstantin Ehlers vom Backend-Team, der im siebten Semester Medieninformatik studiert, ist überzeugt: "Die App ist für mich ein Beispiel wie die Zukunft des 'Digital Publishings' aussehen wird." Für ihn hat die Nutzung auf dem iPad einen klaren Mehrweit: "Das Durchsuchen von Inhalten und die Interaktion mit den Inhalten ist mit dem herkömmlichen Buch nicht möglich", sagt Ehlers. Ähnlich sieht das Matthias Nagel, der im siebten Semester Mobile Medien studiert und am Frontend gearbeitet hat. "Man konnte auch Videos und Bildergalerien mit einbauen. Und wenn der Nutzer will, kann er Notizen hinterlegen, ob öffentlich, privat oder für den Verleger – zum Beispiel, wenn er Fehler gefunden hat", erläutert Nagel.

 Die beiden Studenten setzen auch privat auf Apps. Seit April arbeiten sie zusammen mit zwei weiteren Freunden an einer Rezepte-App, die sie "tasty!" nennen. "Wir wollen herkömmliche Kochbücher auf mobile Endgeräte bringen und durch innovative Funktionen ein neues Nutzererlebnis schaffen", erklärt Ehlers. Bei der Entwicklung können sie auch ihre Erfahrungen aus dem Projekt nutzen.

 Pläne für die Zukunft

 Die Wörterbuch-App wurde bereits Ende Juni 2012 an der HdM präsentiert und Mitte Oktober 2012 auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt. Im nächsten Jahr soll sie bei iTunes erhältlich sein. Passend dazu erscheint die achte Auflage des gedruckten "Wörterbuch des Buches".

 "Bei der App können zielgruppenentsprechend Teile aus dem Lexikon gekauft werden, zum Beispiel die etwa 800 Begriffe aus dem Bereich Typographie für 79 Cent", berichtet der Autor, Professor Stephan Füssel. Neben der Segmentierung hat die App einen weiteren Vorteil: Updates können kostenlos aktualisiert werden. Dennoch bleibt für Füssel das gedruckte Verlagsprodukt das Standbein. Die App versteht er als Ergänzung.

Quelle: Kerstin Lauer / HDM Stuttgart via IDW

 

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