Lampenfieber als App – Interview mit Präsentationsexperte Michael Moesslang

Michael Moesslang

Wann genau tritt in der Regel Lampenfieber auf, zeitlich gesehen?

Im Prinzip gibt es vier typische Situationen: Bei der ersten sind die Symptome oft schon lange vorher, manchmal Tage oder Wochen vor dem geplanten Auftritt, zu spüren. Unangenehm. Doch das Publikum ist ja noch nicht da und so wird diese Nervosität nicht sichtbar. Die Gefahr ist nur, dass sich in dieser Phase der Präsentator nun drückt und die Aufgabe aus Angst vor dem Auftritt abgibt. Das schadet langfristig der Karriere!

Der zweite Schub Lampenfieber ist unmittelbar vor dem Auftritt zu spüren. Da hat man noch dazu Zeit, sich darauf zu konzentrieren und spürt es entsprechend stark. Doch auch das sieht das Publikum ja noch nicht.

Die dritte Phase setzt in den ersten Sekunden oder Minuten des Auftrittes ein. Und ist dann vermeintlich sichtbar. Ich erwähne aber auch gerne, dass bei 80 Prozent der Lampenfieber-Geplagten, dieses gar nicht vom Publikum wahr genommen wird. Es stört nur den Redner selbst.

Die vierte Situation, wo sich Lampenfieber bemerkbar macht, ist, wenn Unvorhergesehenes eintritt oder eintreten könnte. Also wenn der Faden reißt, der Beamer plötzlich ausfällt, eine unangenehme Frage kommt oder auch das Ende der Präsentation bevorsteht. Dass Lampenfieber nochmals verstärkt zum Ende hin auftritt, bestätigen mir die Teilnehmer meiner Seminare und Coachings immer wieder

Oft hört man ja bei ungeübten Rednern zu Beginn Ihrer Performance ein deutliches Zittern der Stimme. Was ist der Zusammenhang zwischen Stimme und Lampenfieber?

Da gibt es mehrere. Bei Lampenfieber machen wir uns klein, beispielsweise wird die Gestik sehr klein und eng und die Haltung ebenso. Das führt dazu, dass auch die Sprechwerkzeuge weniger Platz haben. Oder durch die stressbedingte flache Atmung im oberen Bereich wird die Luft knapp für längere Sätze. Oder der Präsentator zittert am Körper leicht, was sich natürlich auf die Stimme auswirkt.

Michael Moesslang
Michael Moesslang
Ihre wichtigsten Tipps und Anregungen, um Lampenfieber zu verringern oder ganz zu besiegen?

Der wichtigste Punkt ist hier vor allem, die Atmung in den Griff zu bekommen. Bei Stress – und so ein Auftritt ist für viele eine Stress-Situation par excellence – atmen wir im oberen Bereich statt in den Bauch und in die Flanken. Sobald wir wieder richtig atmen, sinkt auch der Stresspegel. Wichtig ist hier vor allem: Machen Sie sich vor Ihrem Auftritt schon mit der Bühne vertraut und nehmen Sie den Raum wahr! So werden Sie sicherer. Dann habe ich Techniken wie das Ankern, das Dissoziieren oder die Veränderung des Publikums.

Sie sehen schon: Es gibt kleinere, einfache Tipps und große Interventionen, die auch der entsprechenden Vorbereitung und Übung bedürfen. Für jeden ist etwas dabei und manchmal ist es auch die Kombination aus zwei, drei Methoden, die individuell zum Erfolg führt.

Können Menschen, die von sehr starkem Lampenfieber „befallen“ sind, dies alleine unter Kontrolle bekommen oder schlagen Sie da professionelle Hilfe durch Coaching vor?

Der ganz große Teil kann mit diesen Techniken alleine arbeiten. Manchen hilft jedoch die professionelle Unterstützung. Und es gibt Fälle, da liegt die Ursache in einer Prägung oder Ähnlichem. Das ist dann mit diesen Techniken nicht zu beheben. Da konnte ich jedoch bereits mehrmals mit Coaching-Interventionen helfen.

Was ist – zum Abschluss dieses Interviews – Ihr ultimativer Tipp in einer akuten Lampenfieber Situation?

Wenn Sie präsentieren oder einen Vortrag geben, bereiten Sie sich gründlich vor. Üben Sie Ihre Präsentation so oft Sie können. Das Gefühl, hier sattelfest zu sein, wird Ihre Nervosität senken. Machen Sie sich unmittelbar vor dem Vortrag bewusst, dass sich das Publikum auf Sie freut und dass Sie etwas Wertvolles zu erzählen haben. Mein ultimativer Tipp ist jedoch das „Dissoziieren“. Das genau zu erklären, würde den Rahmen dieses Interview sprengen. Sie finden es in meiner App „Lampenfieber besiegen“.

Die App „Lampenfieber besiegen“ von Michael Moesslang ist für iPhone und für Android konzipiert, und für iPad kompatibel. Eine eigene iPad Version folgt in Kürze.

2 Gedanken zu „Lampenfieber als App – Interview mit Präsentationsexperte Michael Moesslang“

  1. Wenn jemand dazu was sagen kann, dann Mr. Hitchcock. Ein Profi erster Klasse! Und die App ist sehr gut, praxisnah und ein Gewinn fuer den Business-Alltag.

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