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Gepostet on Jun 14, 2012 in Lustiges & Witziges | Keine Kommentare

„Ergo“ sprach ElSchnuppero… Wo bleibt mein Skandal?

„Ergo“ sprach ElSchnuppero… Wo bleibt mein Skandal?

Die wöchentliche Kolumne von ElSchnuppero zum aktuellen Nonsens.

Dirk Niebel und die FDP haben zugeschlagen. Der wohl seit Jahren schwächste Entwicklungshilfeminister hat einen Teppich nicht korrekt verzollt. Er hat ihn sogar in einer Maschine des Geheimdienstes BND nach Deutschland schaffen lassen. Ein wahrhaft teuflischer Coup des FDP-Mannes. Dennoch ist er aufgeflogen und wie: Kurz nach dem Bekanntwerden dieser Umstände standen die Zeitungsstände Kopf, der Boulevard rieb sich die Hände und der Stammtisch kochte. Ein wahrer Skandal, eine Teppichaffäre nie gekannten Ausmaßes und vielleicht steckte hinter all dem noch viel mehr? Vielleicht schmuggelte Niebel Opium in eben jenem Teppich nach Deutschland? Oder er betrieb nicht nur in diesem Fall gezielte Steuerhinterziehung, die ja in der FDP Gerüchten zu folge zum guten Ton gehört und die auch vom Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD, Thomas Oppermann, ins Gespräch gebracht wurde?

 

Pustekuchen. Die Kanzlerin hob mahnend den Zeigefinger und ermahnte den schusseligen Bub zur Lauterkeit. Dieser entschuldigte sich zähneknirschend und das war es gewesen. Und das soll jetzt eine Affäre, ein Skandal, ein politisch-gesellschaftliches Tohuwabohu gewesen sein? Ich bitte Sie. Das war gar nichts und ähnlich langatmig und langweilig wie damals die „Affäre“ um Ulla Schmidt und ihren Dienstwagen, die ihr einen Platz in Steinmeiers Schattenkabinett gekostet hatte.

 

Politiker und die Vorbildfunktion

Die Situation um Niebels Teppich hat doch nur eines gezeigt: Politiker nehmen es nicht so ernst mit den Privilegien, die ihr Amt ihnen erlaubt. Wer tut das schon? Man nutzt, was man kriegen kann. Das ist der allgemeine Tenor. Da stellt sich doch aber die Frage, ob die politischen Würdenträger nicht per Definition als moralische Vorbilder dienen müssen? Die Antwort lautet: Jein.

 

Moralische Orientierung kann sich der heute Politprofi schon lange nicht mehr leisten. Viel zu sehr ist er davon abhängig, in welche Richtung die ihn umgebenden Interessengruppen marschieren. Da bleibt für individuelle Moral nicht viel übrig. Es ist aber auch eine Menge Geld im Spiel. Das entschuldigt wohl für die meisten Außenstehenden.

 

Die Vorbildfunktion bleibt natürlich: Seht her, Mädels und Buben, Recht und Gesetz, das sind die Leitinstanzen, an denen ihr euch orientieren müsst. Genau wie die Politkaste. Zumindest die, die sich nicht erwischen lassen.

 

Im Endeffekt liegt der deutsche Fokus auf solchen Kleinigkeiten, die sich aus dem aktuellen Anlass speisen. Nur wenig wird über Waffenexporte in Krisengebiete gesprochen, nur kurz über ein Boykott der Ukraine aufgrund ihrer fragwürdigen Einstellung den Menschenrechten gegenüber oder das Philipp Rösler gern den Umweltschutz zu Gunsten der Stromkonzerne umgehen will und dabei gleich noch eine Beschneidung der judikativen Möglichkeiten des Normalbürgers fordert. Themen, die das moralische Band Deutschlands strapazieren haben oft nur in den Randmeldungen und den Feuilletons Platz. Der Teppich ist wichtiger und aktueller.

 

Gez.: ElSchnuppero

 

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