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Gepostet on Jan 10, 2013 in Lustiges & Witziges | Keine Kommentare

Jahrelang unentdeckt: Wikipedia-Scherz foppt die Internetwelt

Der Eintrag in der englischen Wikipedia, der sich mit dem „Bicholim Conflict“ beschäftigt, ist kürzlich gelöscht worden, wie der Daily Dot berichtet. Die militärische Auseinandersetzung zwischen Portugal und dem indischen Maratha-Reich zwischen 1640 und 1641, ist, wie sich jetzt herausgestellt hat, komplett erfunden. Fünf Jahre lang konnte sich jeder bei Wikipedia über den angeblichen militärischen Zwischenfall informieren. Der 4.500 Wörter lange Erklärungstext ist von den Nutzern der Online-Enzyklopädie sogar in den Status „good article“ erhoben worden und wurde, wenn auch vermutlich vom Autor selbst, für die Kategorie „Featured Article“ vorgeschlagen.

Hartnäckige Lügen

Der Zutritt zum Olymp der Wikipedia-Einträge wurde dem Bicholim-Artikel jedoch verwährt, da die Wikipedia-Schreiber befanden, dass er sich in zu hohem Ausmaß auf wenige, schwache Quellen berief. Es hat ganze fünf Jahre gedauert, bis ein neugieriger Wikipedia-Nutzer mit Usernamen ShelfSkewed auf den Artikel aufmerksam wurde. Eine Überprüfung durch den eifrigen Wikipedianer ergab, dass alle Erwähnungen des Bicholim-Konflikts, die zu finden sind, ihren Ursprung in dem betreffenden Eintrag bei Wikipedia haben. „Meine Nachforschungen haben ergeben, dass es sich um einen Streich handelt“, so ShelfSkewed gegenüber TechCrunch.

Wikipedia hat den Eintrag daraufhin aus dem Online-Lexikon gestrichen. Dass der Eintrag sich so lange halten konnte, liegt auch an der aufwendigen Machart des Textes. Der angebliche Konflikt passt in die Kolonialvergangenheit Portugals in Indien. Die Geschichte wurde von den Scherzbolden, die sie geschrieben haben, in den richtigen Kontext gebettet. Laut dem gelöschten Eintrag haben die Friedensverhandlungen nach der Auseinandersetzung den Weg für die Unabhängigkeit des indischen Bundesstaates Goa von Portugal geebnet. Andere Beispiele für inkorrekte Informationen in der englischsprachigen Wikipedia, die jahrelang unangetastet blieben, gibt es einige.

Keine Posaunen im Dritten Reich

Das Folterinstrument „Krokodilsschere“, das einige Zeit über einen Eintrag verfügte, hat genau wie das angeblich von Goebbels gegründete „Reichs-Corps der Posaunen“ nie existiert. Acht Jahre lang hielt sich im Beitrag zu Julius Caesar die Erwähnung seines erfundenen Mörders Gaius Flavius Antonius. Das ist die Schattenseite eines Nachschlagewerks mit offener Architektur. Die Menge an Information ist so groß, dass die oft propagierte Kontrolle durch die Masse von Nutzern von Vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Zudem verbreiten sich die Scherze auf anderen Portalen weiter und halten sich so auch dann noch, wenn Wikipedia bereits reagiert hat.

Allerdings handelt es sich bei den erwähnten Beispielen immer nur um Einzelfälle. Die Qualität der Wikipedia ist im Großen und Ganzen gut. Den Vergleich mit Standard-Nachschlagewerken braucht das Online-Lexikon nicht zu scheuen, wie mehrere Vergleichstests bewiesen haben. Bei Zweifeln kann es aber ratsam sein, eine zweite Quelle zu konsultieren.

(Pressetext)

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