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Gepostet on Jul 10, 2012 in Lustiges & Witziges | Keine Kommentare

“Ergo” sprach ElSchnuppero… Wo ist meine Adresse?

“Ergo” sprach ElSchnuppero… Wo ist meine Adresse?

 

Die wöchentliche Kolumne von ElSchnuppero zum aktuellen Nonsens.

 

Ich stehe vor einem riesigen Gebäude mit weiten, abgedunkelten Glasfronten. Leicht nervös trete ich durch die riesige Drehtür, hinter der mich bereits ein Sicherheitsdienstleister mit einem freundlichen „Stop!!! Sicherheitskontrolle!“ erwartet. Während ich die Arme für die Leibesvisitation hebe, denke ich noch bewundernd über die Effizienz des Security-Mannes nach: „Zwei Worte. Kein Verb und kein Adjektiv. Das nenne ich Kommunikation in zeitsparender Form.“ Ich bin sauber und er winkt mich durch.

 

Ich betrete die riesige Lobby des Gebäudes. In gigantösen Buchstaben prangt der Name der Firma über der Rezeption: GEZ. „Beeindruckend.“ Vorsichtig beäuge ich die Lobby und bleibe mit meinem Blick an einer eindrucksvollen Büste von Lenin hängen. „Moment… Lenin? Da kann doch was nicht hinhauen… .“ Ich schaue genauer hin und unter dem monströsen Kopf entdecke ich eine Schrifttafel: Hans Peter Uhl. „Ahhh!“ Unter seinem Namen ist noch Zitat von ihm hinterlegt, das dem Ganzen erst einen wahrhaft edlen Anstrich verleiht: „Das wird doch von den Medien hochstilisiert.“

 

Ich trete an die Rezeption. Eine adrett wirkende Dame beäugt mich langsam und fragt mich nach meinem Ansinnen. Ich erwidere ihr, dass ich zu einem Vorstellungsgespräch hier sei und meine Ausbildung gern bei der GEZ absolvieren möchte. Sie nickt und schickt mich in die dritte Etage. Während ich langsam durch die nicht enden wollenden Gänge trotte, schleicht sich ein melodischer Singsang an mein Ohr. Als ich einen Konferenzraum passiere, kann ich den Gesang identifizieren. Mehrere Mitarbeiter sitzen in einem Oval, ihre Oberkörper wippen leicht vor und zurück, während ihre Münder immer wieder „Gepriesen sei Uhl, gepriesen sei Uhl!“ wiederholen.

 

Am Ende des Ganges erwartet mich eine blonde Gestalt mit kräftigem Körperbau, in ihrer Hand befindet sich ein gekühltes Glas Hefeweizen. Auf seinem Namensschild steht Karsten K. – Assistent Executive Director. Ich schüttele ihm die Hand und er führt mich in sein Büro. Hinter dem Schreibtisch sitzt ein weiterer Mann. Ende 30, etwas kleiner. Auch er trägt ein Namensschild: Christian B. – Chief Executive Director. Auch vor ihm steht ein Glas, jedoch kein Hefe, sondern Pils. Ich zucke unmerklich mit den Schultern, anscheinend gibt es hier um 11 Uhr morgens viel Druck auszuhalten. B. begrüßt mich herzlich und bittet mich Platz zu nehmen: „Guten Tag. Bitte nehmen sie Platz. Dangul!!!“ Bei dem Wort Dangul schlagen sich beide die Faust auf die Brust. Ich bin verwirrt. „Wie bitte?“ frage ich nach. B. erwidert schnell: „Verzeihen Sie meine undeutliche Aussprache. Das war unsere inoffizielle Begrüßung. Dank Uhl.“ „Ahhhhh. Wie einleuchtend.

 

B. hat meinen ersten und auch zweiten Blick auf sein Namensschild nun bemerkt und antwortet auf meine nicht gestellte Frage: „Sicher fragen Sie sich, warum wir die Nachnamen nicht ausschreiben. Das ist ganz einfach. Wir bei der GEZ achten peinlich genau auf den Datenschutz.“ Sein Blick wandert zu K. der direkt hinter mir steht. Ein Augenblick lang passiert nichts, nur eisiges Schweigen. Sie blicken sich an und beginnen urplötzlich prustend zu lachen. „War nur ein Gag. Keine Sorge. Ist lediglich eine Kostenfrage und die GEMA hat die Rechte für unsere Nachnamen nicht freigegeben. Das ist alles.“ Ich zwinge mir ein Nicken ab.

 

Das Vorstellungsgespräch verläuft ohne großen Zwischenfälle: Lebenslauf, ein bisschen Tratsch und warum ich gerne zur GEZ möchte. Daraufhin führt mich K. in einen Raum, an dessen Tür ein Schild mit der Aufschrift „Ausbildungszentrum“ hängt. Wir gehen hinein. Der Raum ist bis auf Telefon, Tisch, Stuhl und ein PC komplett leer. Ich werde aufgefordert mich zu setzen. K. holt ein Telefonbuch hervor und schlägt die erste Seite auf. Er deutet mit dem Finger auf den ersten Eintrag: Aaronson, Albert – Erich-Mielke-Allee 7. Ich tippe die Adresse in den PC und hinter mir beginnt eine bisher von mir unentdeckte Maschine zu röhren. K. erläutert mir den Vorgang: „Über diesen Apparat wird ein Netzwerk an Unternehmern angeschrieben. Die können dann die Daten käuflich erwerben.“ Plötzlich durchzuckt mich ein Gedanke. „Das ist alles? Ich tippe das Telefonbuch ab?“ Mein Vorgesetzter beruhigt mich aber sogleich. „Keine Sorge. Das ist nur die erste Ausbildungsstufe. Bald geht es in den Außeneinsatz. Aber vorher müssen Sie noch lernen, wie man das Licht eines Fernsehgerätes von anderen Lichtquellen unterscheidet.“ Beruhigt drehe ich mich wieder zum PC und tippe weiter. Er verlässt den Raum und lässt mich allein. Kurz darauf kommt er noch einmal hereingestürtzt. „Fast hätte ich ihr Namensschild vergessen, lieber Kollege. Bitte schön. Tragen Sie es in Ehre. Dangul!!!“ Ich nehme das Pappschild in meine Hand und lese „ Assistent Executive Director Data Broker“ – Mein neuer, offizieller Titel: Adressenhändler.

 

Gez.: ElSchnuppero

 

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